Thiothrix sp.
 

Thiothrix sp. ist als Vertreter der Schwefelbakterien in der Lage, reduzierte Schwefelverbindungen als Energiequelle zu verwerten und elementaren Schwefel einzulagern. Dadurch gewinnen diese Organismen im Belebtschlamm bei Sauerstoffmangel einen Wachstumsvorteil gegenüber Bakterien, die keinen Schwefel einlagern können. Sie kommen meist in Anlagen mit ungenügender Sauerstoffversorgung oder angefaultem Abwasser vor.
Das wichtigste Merkmal zur Identifizierung von Thiothrix sp. sind die Schwefeleinlagerungen, die meist schon im Lebendpräparat als helle, stark lichtbrechende Punkte zu erkennen sind und durch den Schwefeltest deutlich verstärkt werden.
 

Eigenschaften:

Wuchsform: gerade oder leicht gebogen
Fadenposition: aus der Flocke herauswachsend
Verzweigungen: keine
Beweglichkeit: fehlt
Länge der Fäden: 50 bis 500 µm
Fadendurchmesser: 0,8 bis 2,5 µm
Septen: sichtbar (wenn keine oder wenig S-Granula vorhanden sind)
Zellform: rechteckig
Einschnürungen: keine
Aufwuchs: fehlt
Scheide: vorhanden, aber meist schwer zu erkennen
Schwefelgranula: meist schon in vivo, nach Schwefeltest deutlich kräftiger
Gramfärbung: negativ; grampositive Reaktion möglich, wenn S-Granula vorhanden
Neisserfärbung: negativ; manchmal neisserpositive Granula
PHB-Färbung: positiv
Besonderheiten: manchmal Rosettenbildung
 

Selektionsfaktoren:
 

  • lange anaerobe Speicherzeiten des Abwassers
  • Sauerstoffdefizite
  • unbelüftete, schlecht durchmischte Totzonen in Anlagenbecken
  • reduzierte Schwefelverbindungen
  • hohe Konzentrationen organischer Säuren
  • Schlammbelastung > 0,1 kg BSB5 kg TS-1 d-1

  • In kommunalen Kläranlagen mit Nährstoffelimination spielt Thiothrix sp. kaum eine Rolle. Große Thiothrix-Populationen, die Blähschlamm verursachen, können bei höherer Schlammbelastung und in industriellen Abwasserreinigungsanlagen auftreten.
     

    Bild 1/2: Thiothrix sp., Lebendpräparat, Phasenkontrast. Bild 3: Thiothrix sp., Lebendpräparat, Phasenkontrast.

    Der Faden fällt im mikroskopischen Bild sofort durch die stark lichtbrechenden Schwefeleinlagerungen ins Auge.

    Auch in diesem Bild sieht man deutlich kleine, runde Schwefelgranula. An den schwefelfreien Enden der Fäden sind stellenweise Septen und die rechteckige Zellform zu erkennen.

     
     

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