Microthrix parvicella
 

Microthrix parvicella gilt als der Hauptverursacher von Bläh- und Schwimmschlamm in kommunalen Kläranlagen. Zum einen führt das massenhafte Wachstum von M. parvicella schon durch seine Wuchsform zu schlecht absetzbaren Schlammflocken, zum anderen neigt der Organismus durch Anlagerung von Gasblasen an die hydrophobe Zelloberfläche zum Flotieren.
Sowohl im Lebendpräparat als auch im Grampräparat ist Microthrix parvicella aufgrund der „spaghettiartig“ verknäuelten Wuchsform gut zu erkennen. Die Filamente können innerhalb der Flocken liegen, aber auch aus den Flocken herausragen oder frei in der wässrigen Phase vorkommen. Die Häufigkeit dieses Fadens ist am besten nach Gramfärbung abzuschätzen.
 

Eigenschaften:

Wuchsform: stark gebogen bis verknäuelt
Fadenposition: innerhalb der Flocken und um die Flocken herum
Verzweigungen: keine
Beweglichkeit: fehlt
Länge der Fäden: bis 200 µm
Fadendurchmesser: 0,8 µm
Septen: nicht erkennbar
Zellform: nicht erkennbar
Einschnürungen: keine
Aufwuchs: gelegentlich spärlicher Aufwuchs vorhanden
Scheide: fehlt
Schwefelgranula: weder in vivo noch nach Schwefeltest
Gramfärbung: deutlich positiv
Neisserfärbung: positive Granula
PHB-Färbung: schwach positiv
Besonderheiten: Bei starker Vergrößerung wirkt die Fadenoberfläche unregelmäßig. Häufig werden leere Stellen im Faden beobachtet, bei denen es sich um lysierte Einzelzellen handelt.
 

Selektionsfaktoren:
 

  • Schlammbelastung ≤ 0,1 kg BSB5 kg TS-1 d-1
  • Temperatur < 15 °C
  • langkettige Fettsäuren im Zulauf zur Belebung
  • niedrige Sauerstoffgehalte

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    Kommunale Kläranlagen mit Nährstoffelimination bieten aufgrund der niedrigen Schlammbelastung günstige Wachstumsbedingungen für Microthrix parvicella, daher ist dieser fadenförmige Mikroorganismus in Belebungsanlagen sehr weit verbreitet. Aufgrund der starken Temperaturabhängigkeit unterliegt die Populationsgröße deutlichen jahreszeitlichen Schwankungen.
     

    Bild 1: Microthrix parvicella, Gramfärbung, Hellfeld. Bild 2: Microthrix parvicella, Gramfärbung, Hellfeld. Bild 3: Microthrix parvicella, Neisserfärbung, Hellfeld. Bild 4: Microthrix parvicella, Kristallviolettfärbung, Dunkelfeld. Bild 5: Microthrix parvicella, Lebendpräparat, Phasenkontrast.

    Deutlich zu erkennen sind die verknäuelte Wuchsform und die positive Gramreaktion.

    Bei dieser Vergrößerung sind stellenweise lysierte Zellen im Faden zu sehen (siehe Pfeile).

    Die Neisser-positiven Fäden enthalten dunkle Granula.

    Die ISV-relevante Fädigkeit liegt in diesem Präparat bei 6-7.

    Im Lebendpräparat zeigt sich sowohl die verknäuelte Wuchsform als auch die oftmals unregelmäßige Oberfläche der Fäden.

     
     

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