Microthrix parvicella gilt als der Hauptverursacher von Bläh-
und Schwimmschlamm in kommunalen Kläranlagen. Zum einen führt
das massenhafte Wachstum von M. parvicella schon durch seine Wuchsform
zu schlecht absetzbaren Schlammflocken, zum anderen neigt der Organismus
durch Anlagerung von Gasblasen an die hydrophobe Zelloberfläche zum
Flotieren.
Sowohl im Lebendpräparat als auch im Grampräparat ist Microthrix
parvicella aufgrund der „spaghettiartig“ verknäuelten Wuchsform
gut zu erkennen. Die Filamente können innerhalb der Flocken liegen,
aber auch aus den Flocken herausragen oder frei in der wässrigen Phase
vorkommen. Die Häufigkeit dieses Fadens ist am besten nach Gramfärbung
abzuschätzen.
Eigenschaften:
Wuchsform: stark gebogen bis verknäuelt
Fadenposition: innerhalb der Flocken und um die Flocken herum
Verzweigungen: keine
Beweglichkeit: fehlt
Länge der Fäden: bis 200 µm
Fadendurchmesser: 0,8 µm
Septen: nicht erkennbar
Zellform: nicht erkennbar
Einschnürungen: keine
Aufwuchs: gelegentlich spärlicher Aufwuchs vorhanden
Scheide: fehlt
Schwefelgranula: weder in vivo noch nach Schwefeltest
Gramfärbung: deutlich positiv
Neisserfärbung: positive Granula
PHB-Färbung: schwach positiv
Besonderheiten: Bei starker Vergrößerung wirkt die
Fadenoberfläche unregelmäßig. Häufig werden leere
Stellen im Faden beobachtet, bei denen es sich um lysierte Einzelzellen
handelt.
Selektionsfaktoren:
Kommunale Kläranlagen mit Nährstoffelimination bieten aufgrund
der niedrigen Schlammbelastung günstige Wachstumsbedingungen für
Microthrix parvicella, daher ist dieser fadenförmige Mikroorganismus
in Belebungsanlagen sehr weit verbreitet. Aufgrund der starken Temperaturabhängigkeit
unterliegt die Populationsgröße deutlichen jahreszeitlichen
Schwankungen.